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Warum Petra ihre Selbsthilfegruppen nicht mehr bei WhatsApp chattet – Sichere Kommunikation mit Matrix und Nextcloud

Warum Petra ihre Selbsthilfegruppen nicht mehr bei WhatsApp chattet – Sichere Kommunikation mit Matrix und Nextcloud

Petra koordiniert zwölf Selbsthilfegruppen – von Angehörigen psychisch Erkrankter über Trauerbegleitung bis hin zu Suchthilfe. Jede Gruppe hat ihren eigenen Chat, ihre eigenen Dokumente, ihre eigene Dynamik. Bisher läuft alles über WhatsApp-Gruppen und einen geteilten Google-Drive-Ordner. Es funktioniert, irgendwie. Aber in der letzten Gruppenbesprechung hat eine Teilnehmerin gefragt: „Wer kann eigentlich unsere Nachrichten lesen?" Petra konnte die Frage nicht beantworten. Und das macht ihr Angst. In den Selbsthilfegruppen werden intimste Details geteilt – Dinge, die niemand außerhalb der Gruppe erfahren darf. Wenn Petra ehrlich ist, weiß sie nicht einmal, wo die Server stehen, auf denen diese Gespräche gespeichert werden.

Warum WhatsApp und Google Drive für Selbsthilfe gefährlich sind

Selbsthilfegruppen leben vom Vertrauen. Was in der Gruppe gesagt wird, bleibt in der Gruppe – das ist die Grundregel. Doch die digitale Realität sieht anders aus. WhatsApp-Nachrichten werden zwar Ende-zu-Ende verschlüsselt übertragen, aber die Metadaten – wer schreibt wann mit wem – werden von Meta gespeichert und ausgewertet. Backups landen häufig unverschlüsselt in der Cloud. Und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer Selbsthilfegruppe sollten nicht zwingend ein Konto bei einem US-Konzern benötigen, um an der Gruppe teilzunehmen.

Google Drive ist ebenfalls problematisch. Die Dateien liegen auf Servern, die dem US-Cloud-Act unterliegen. Das bedeutet: US-Behörden können grundsätzlich auf die Daten zugreifen. Für eine Selbsthilfegruppe, in der es um Sucht, psychische Gesundheit oder häusliche Gewalt geht, ist das ein inakzeptables Risiko.

Die Alternative heißt: selbstgehostete, quelloffene Kommunikation. Und sie ist näher, als viele denken.

Matrix und Nextcloud: Die sichere Alternative für Selbsthilfe

Matrix ist ein offenes Protokoll für dezentrale, verschlüsselte Kommunikation. Ähnlich wie bei E-Mail können Nutzerinnen und Nutzer auf verschiedenen Servern miteinander kommunizieren – aber mit dem entscheidenden Unterschied, dass die Nachrichten Ende-zu-Ende verschlüsselt sind. Niemand außer den Teilnehmerinnen und Teilnehmern kann die Inhalte lesen. Nicht der Serverbetreiber, nicht der Administrator, nicht ein möglicher Angreifer.

Nextcloud ist eine selbstgehostete Cloud-Plattform, die alle Funktionen von Google Drive bietet – Dateiverwaltung, Kalender, Kontakte, gemeinsame Dokumente –, aber die volle Kontrolle über die Daten behält. Die Server stehen in Deutschland oder der EU, die Daten unterliegen der DSGVO, und der Zugriff durch Dritte ist ausgeschlossen.

Zusammen bilden Matrix und Nextcloud ein Kommunikations-Ökosystem, das genau den Bedürfnissen von Selbsthilfegruppen entspricht: vertraulich, datenschutzkonform, selbstbestimmt. Und die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass diese Tools zunehmend ausgereift und einfach einzusetzen sind.

Auch das Fediverse wächst weiter. Neue Tools wie PeerTube für Videokommunikation und Mastodon für öffentliche Vernetzung erweitern die Möglichkeiten für Organisationen, die auf sichere, dezentrale Lösungen setzen. Die politischen Entwicklungen gehen in dieselbe Richtung: Neue Regelungen und Initiativen stärken die digitale Souveränität und den Datenschutz. Wer heute auf Open-Source-Lösungen setzt, ist nicht nur auf der sicheren Seite – er ist auf der richtigen Seite.

Drei Schritte zu sicherer Kommunikation in deiner Selbsthilfegruppe

Du musst nicht alle Gruppen gleichzeitig umstellen. Aber du kannst heute anfangen.

1. Prüfe deine aktuelle Kommunikation auf Datenschutzrisiken

Wo laufen die Chats deiner Selbsthilfegruppen? Welche Dokumente werden wo gespeichert? Wer hat administrativen Zugang? Oft nutzt man Werkzeuge, weil sie praktisch sind – ohne sich über die Datenschutzimplikationen Gedanken zu machen. Mache einen ehrlichen Bestand: Welche Dienste nutzt du, welche Daten fließen dort, und wo liegen die Server? Dieses Inventar ist der erste Schritt zu mehr Sicherheit.

Besonders wichtig: Schau dir an, wer Administrator der Gruppen ist. Bei WhatsApp ist es nicht möglich, die administrative Kontrolle wirklich an die Gruppe zu übergeben – Meta bleibt stets der eigentliche Herr über die Daten. Bei selbstgehosteten Lösungen bestimmst du selbst, wer welche Rechte hat.

2. Richte Matrix für verschlüsselte Gruppenchats ein

Matrix lässt sich einfach über Clients wie Element nutzen – einer Oberfläche, die ähnlich intuitiv ist wie WhatsApp, aber Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für Gruppenchats bietet. Du kannst einen eigenen Server betreiben oder einen vertrauenswürdigen Hosting-Dienstleister nutzen. Wichtig ist, dass die Verschlüsselung aktiviert ist und die Teilnehmerinnen und Teilnehmer verstehen, dass ihre Nachrichten wirklich nur in der Gruppe sichtbar sind.

Für Selbsthilfegruppen hat Matrix einen entscheidenden Vorteil: Du kannst verschiedene Räume für verschiedene Themen anlegen, die Zugänge granular steuern und auch Teilnehmerinnen und Teilnehmer aufnehmen, die kein Konto bei einem kommerziellen Anbieter haben. Die Teilhabe wird einfacher, nicht schwerer.

3. Wechsle die Dokumentenverwaltung zu Nextcloud

Für die gemeinsame Dokumentenverwaltung bietet Nextcloud eine datenschutzkonforme Alternative zu Google Drive. Du kannst Dateien, Kalender und Kontakte zentral verwalten, Zugänge für verschiedene Gruppen separat steuern und sicherstellen, dass alle Daten auf europäischen Servern liegen. Die DSGVO-Konformität ist kein Bonus, sondern die Grundlage.

Besonders für Selbsthilfegruppen, die mit sensiblen Dokumenten arbeiten – Teilnehmerlisten, Einverständniserklärungen, Protokolle – ist die Kontrolle über den Speicherort essenziell. Mit Nextcloud weißt du genau, wo deine Daten sind und wer darauf zugreifen kann.

Warum Datenschutz in der Selbsthilfe ein Wertethema ist

Selbsthilfe bedeutet Selbstbestimmung. Menschen kommen zusammen, um gemeinsam Herausforderungen zu meistern – und sie entscheiden selbst, was sie teilen und mit wem. Diese Selbstbestimmung endet nicht an der Tür zum digitalen Raum. Wenn die Kommunikationswerkzeuge diese Selbstbestimmung untergraben, indem sie Daten sammeln, Metadaten auswerten oder den Zugriff Dritter ermöglichen, dann widersprechen sie dem Grundgedanken der Selbsthilfe.

Open-Source-Lösungen wie Matrix und Nextcloud sind mehr als nur technische Alternativen. Sie sind der Ausdruck einer Haltung: dass die Menschen die Kontrolle über ihre Daten und ihre Kommunikation haben sollten. Dass Vertraulichkeit kein Luxus ist, sondern ein Recht. Dass digitale Teilhabe nicht bedeuten darf, dass man seine Privatsphäre aufgeben muss.

Die wertvollste Softwareinfrastruktur wird von Freiwilligen gepflegt – genau wie die Selbsthilfe selbst. Es ist eine Frage der Haltung, ob wir diese Infrastruktur unterstützen oder uns in die Abhängigkeit kommerzieller Anbieter begeben.

Wenn du deine Selbsthilfegruppen digital souverän aufstellen möchtest – mit geschützten Räumen, verschlüsselter Kommunikation und einer Infrastruktur, die Vertraulichkeit nicht nur verspricht, sondern technisch gewährleistet –, dann schau dir an, was ZenDiT für digitale Selbsthilfegruppen anbietet. Es gibt bereits fertige Lösungen, die genau auf diese Bedürfnisse zugeschnitten sind.


Quellen:

  1. How to Deploy Funkwhale on Debian VPS
  2. How to Install Roundcube on Rocky Linux VPS
  3. How to Install PeerTube on Ubuntu VPS
  4. The most valuable software infrastructure
MH

Marc Hasselbach

Fachblogger für Digitale Soziale Arbeit – Impulse, Analysen und Praxis an der Schnittstelle von Digitalisierung und Sozialwesen.